Rollenspiele aus Polen

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Lameth

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Rollenspiele aus Polen

from Lameth on 10/03/2013 11:47 PM

Wie man so schön sagt, andere Länder, andere Sitten und deswegen möchte ich euch hier mal einige Rollenspiele aus Polen Vorstellen.  Warum? Um einfach mal was anderes zu zeigen. Vielleicht findet ja jemand ein Spiel so interessant, dass er es auch mal ausprobieren möchte.
Wodurch unterscheidet sich die polnische RPG Szene von der deutschen? Nun zu aller erst, es gibt kein DSA  Aber mal im Ernst, aufgrund der geopolitischen Lage kam das Hobby erst nach der Wende so richtig in Polen an. Die Community ist noch recht jung und wurde  anders sozialisiert. Warhammer Fantasy und Earthdawn waren z.B. sehr beliebte Rollenspiele und sind es immer noch. Vor allem Warhammer was das Spiel der ersten Stunde in Polen. Aber der  mittlerweile hat der d20 Moloch auch Polen eingeholt und fest im Griff. Neben den typischen Mainstream Produkten sind aber auch eine Reihe polnischer Spiele erschienen und die möchte ich euch zeigen:

Als erstes etwas ungewlöhnliches, ein historisches Setting:

Dzikie Pola - Die wilde Steppe



Ort der Handlung sind die östlichen Gebiete des Polish Commonwealth im 17ten Jahrhundert. Dies ist in der polnischen Geschichte eine Zeit der Freiheit, der Abenteuer, der Gefahr und unbegrenzten Möglichkeiten. So ein wenig wie der Wilde Westen.

Die Spieler schlüpfen in die Rolle junger Adliger, die versuchen Ruhm, Ehre, Reichtum, Einfluss und Macht anzusammeln und dabei zu überleben Es ist ein intensives Rollenspiel ähnlich wei LotFR oder die WoD Spiele mit etwas weniger Form und etwas mehr Abenteuer.

Oh, etwas unhistorisch ist es schon, denn es gibt Magie, zwar nicht so direkt mit Feuerbällen, sondern unterschwellig mit Wahrsagungen, Segen, Fluch usw. aber immer hin.
Das ganze Buch ist in der Sprache geschrieben, die damals gesprochen wurde, was sehr witzig ist, aber schwieriger zu übersetzen.

 

 Charakter

Es gibt viele Charakterklassen. Es gibt einzelne Klassen für die Adligen des Commonwealth, einzelne Klassen für "Westlinge" und einzelne Klassen für Frauen. Die Klasse stattet den Spier mit einem Anfangswert an Attributs- und Fähigkeitswerten und bestimmt den Platz in der Gesellschaft zum Anfang des Spieles. Wie in Lot5R spielt man auf jeden Fall einen Adligen.

Dann gibts noch Freie Zusatzpunkte je nach Alter. Je älter der Charakter ist, desto mehr Punkte bekommt er, desto schwieriger kann er aber auch steigern. Wenn man also eine Lange Kampagne plant, ist es sinnvoll mit sehr jungen Adligen zu starten, die sich rasant entwickeln. ein alter Kempe ist zu Beginn des Spieles recht mächtig, er lernt aber nicht mehr all zu viel dazu.

Nun wird das Ganze doch die Nationalität modifiziert (Kern Polen, Litauen, Ukraine, Russland, "Westen") oder Frau: da gibts die selben Modis für alle FrauenLetztendlich gibt es eine Menge Vor und Nachteile, für die man immer aber auch Voraussetzungen bezüglich Attributs und Fähigkeitswerten erfüllen muss. So kann man doch etwas Missbrauch und Regelausnutzung vorbeugen.

Der Grundmechanismus:
Attribut + Fähigkeit + W20
Dabei werden Fähigkeiten und Attribute frei kombiniert, je nach Anforderung, wie bei WoD etwa.
Der Vergleichende Wurf geht auch gegen einen statischen wert: Attribut + Fähigkeit des Gegners + 7. (Ist wohl mathematisch so ausgerechnet, dass es eine sättige Kurve ergibt, aber damit beschäftige ich mich nicht tiefergehend )
Die Vor und Nachteile sind hier noch mal das Salz in der Suppe, sie geben Boni und Mal oder erlauben oder erzwingen Wiederholungswürfe.

Wie gut man etwas schafft hat auch durchaus auswirkungen, weil man es schneller, besser, beeindruckender schafft, je höher man über den Mindestwurf kommt. Umgekehrt gilt das natürlich ebenso.

Die Durchschnittliche Fähigkeit ist 20, man kann das Spiel aber durchaus mit Attributs und Fähigkeitswerten von 10 starten.

Kampf:
Der Kampf wird mit Hilfe von Manövern ausgeführt. Jedes Manöver kostet eine bestimmte Anzahl von Kampfpunkten. Man hat für eine Runde Kampfpunkte zur Verfügung gleich dem Wert in der Kampffähigkeit, die man gerade anwendet. Eine Kampfrunde endet, wenn beide Kontrahenten keine Kampfpunkte mehr zur Verfügung haben. Nächste Kampfrunde wird der Pool erneuert. Eine Kampfrunde dauert wenige Sekunden.

Interessanter Ansatz: Man würfelt unter normalen Umständen nicht zum Treffen. Es wird davon ausgegangen, dass ein geübter Kämpfer keine Probleme hat, einen Gegner zu treffen, die Frage ist dann, ob dieser Ausweichen, oder parieren kann.

Ausnahmen gibt es natürlich. Ist jemand schwer verwundet oder sturz betrunken muss er zum Treffen würfeln. Auch besonders gezielte Angriffe (die stele unter den Achseln zu treffen, wo die Rüstung nicht schützt oder jemanden den Schnurrbart abzuschneiden) benötigen auch einen Trefferwurf.
Wenn beide Angreifen und beide auf Verteidigung verzichten wird eine Angriffsprobe verlangt mit einem durchschnittlichen Schwierigkeitsgrad.
Man kann sich auch noch verteidigen, wenn man keine KP mehr hat, das aber mit einem Malus von -4.

Der Kampf liest sich ganz witzig, es kommt immer auf die geeignete Kombination von Manövern und Gegenmanövern. Ein Treffer kann bereits den Kampf beenden.

 Hintergrund:

Das Commonwealth iat eine Adelsrepublik. Alle Entscheidungen trifft der Sejm (das Adelsparlament). Der König wird auch vom Sejm gewählt und hat eine eher repräsentative Stellung hat, obwohl das von König zu König unterschiedlich ist.

Die Einwohnerzahl beläuft sich auf ca. 10.000.000 Einwohner, davon ca. 1.000.000 Adlige.

Jeder Adlige lernt in seiner Kindheit und Jugend:
- Lesen und Schreiben
- Latein
- Heraldik
- Reiten
- Sebelfechten
- Umgang mit Schusswaffen

Die Adligen sehen sich als Nachfahren der Sarmaten und nennen sich selbst auch so.
Es ist ein wenig wie bei den Seeleuten, wo jeder Kapitän ein König ist, so ist im Commonwealth jeder Adlige auf seinem eigenen Grund und Boden König.

Die wichtigste Eigenschaft im Spiel ist "Fantasie". Das ist so etwas wie Charisma, Panache, Auftreten, Selbstdarstellung. Das ist die Eigenschaft, die den Adligen zu was besonderem macht und ihn von den 999.000 anderen unterscheidet.
Großzügigkeit ist dabei besonders wichtig. Man zahlt nie nur so viel wie etwas wert ist, wenn man was auf sich hält. Eine Einlandung zum Trinken auszuschlagen ist eine tödliche Majestätsbeleidigung, die mit Blut vergolten werden kann, denn so etwas bedeutet Geringschätzung für den anderen. In dieser Zeit herrscht in Commonwealth eine Freiheit und Tolleranz (besonders Glaubensfreiheit) wie sie man nirgends wo anders in Europa findet.

Hier etwas Visualisierung ;)

http://www.youtube.com/watch?v=72kZw26IQa0

http://www.youtube.com/watch?v=xESWcLIt9iQ

Ehrenduell

http://www.youtube.com/watch?v=_tFXZn9qNhg

http://www.youtube.com/watch?v=8Ujt1pb8Zjo

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Zarathustra
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Re: Rollenspiele aus Polen

from Zarathustra on 10/04/2013 12:10 AM

Klingt interessant! Mehr davon!

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La_Cipolla

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Re: Rollenspiele aus Polen

from La_Cipolla on 10/04/2013 01:01 AM

Das ist irgendwo zwischen trashig und einem wirklich interessanten Setting. =D Die Optik in den Videos (die btw. auch GROSSARTIG sind!) ist halt echt mal was anderes, und die Region auch vergleichweise "exotisch". Gibt's das denn auch in einer anderen Sprache?

Nun wird das Ganze doch die Nationalität modifiziert (Kern Polen, Litauen, Ukraine, Russland, "Westen") oder Frau: da gibts die selben Modis für alle Frauen

... pfffffff x'D Gott ey ... 2013 auf dem Rollenspielmarkt! :'D

Los Muertos, ein Rollenspiel mit Skeletten - Inklusive Thread am Nerdpol!

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Lameth

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Re: Rollenspiele aus Polen

from Lameth on 10/04/2013 01:30 AM

Klingt interessant! Mehr davon!

Kommt

Gibt's das denn auch in einer anderen Sprache?

Nein, das gibt es nur in der polnischen Sprache.

... pfffffff x'D Gott ey ... 2013 auf dem Rollenspielmarkt! :'D

Nur weil wir 2013 haben macht das die Situation der Frau im 16ten Jh. nicht anders
Die Frau ist stark eingeschränkt, was ihre möglichkeiten zur Entfaltung anbetrifft. Das sit ein historisches Setting, da gibt es keine Kriegerinen Die adlige Frau hat eine bestimmte Rolle in der Gesellschaft zu erfüllen und das spiegelt diese Regel wieder.

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La_Cipolla

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Re: Rollenspiele aus Polen

from La_Cipolla on 10/04/2013 01:40 AM

Mir gings eher um die Nationalität. Wenn sich Adelige je nach Land unterscheiden, sollten das die Frauen im 16. Jhd. auch hinkriegen. ^^

War aber auch mehr ein Seitenhieb als eine ernsthafte Beschwerde. Ich weiß ja, wie mein Hobby so ist, und habe zudem keinen Schimmer von dem Spiel hier. Wäre also eher dummdreist, hier die Moralkeule rauszuholen.

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Lameth

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Re: Rollenspiele aus Polen

from Lameth on 10/04/2013 01:56 AM

So ich habe noch mal nachgeschaut. Es ist einfach so, dass alle Frauen ihre Bonis frei verteilen können und die Männer fest gelegt sind durch ihre Abstammung. Für alle Westler gibt es übrigens die gleichen Bonis, ist ja alles gleich da drüben

Die Klassen, die für die Frauen gibt, sind auch ihnen nur zugänglich. Da gibt es ganz coole Sachen, die Adlige, den Höfling, den Tombboy, die Wölfin der Grenzlande, die Spionin, die Witwe, die Schlüßelmeisterin  oder die Hexe. Die Frau kommt also nicht schlecht weg bei dem Spiel. 
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AnguyX
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Re: Rollenspiele aus Polen

from AnguyX on 10/04/2013 01:58 AM

Woho - hallo Lameth - direkt eine Frage die ich da an dich stellen kann (außerhalb des oben genannten Systems leider ;) - Witcher Rollenspiel?

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Lameth

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Re: Rollenspiele aus Polen

from Lameth on 10/04/2013 02:43 AM

Ja, gibt es, habe ich und auch schon auf deutsch geleitet
Werde ichhier auch vorstellen
Ich war von deinen Lesungen der Witcher Bücher beeindruckt und hoffe du hast sie bis zum Ende gelesen

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Heretic
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Re: Rollenspiele aus Polen

from Heretic on 10/04/2013 03:22 AM

Einwurf am Rande: Einer der mit am aktivsten Savages ist Piotr Korys, der mittlerweile ziemlich lang bei PEG mit dabei ist.
Betreut mittlerweile die DLR-Reihe (Deadlands Reloaded) und hat seine Finger eigentlich bei fast jedem (englischsprachigen) Produkt für SaWo mit drin.
Da zeigt sich mal wieder auf positive Weise, dass die RPG-Szene international Menschen verbindet.

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AnguyX
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Re: Rollenspiele aus Polen

from AnguyX on 10/04/2013 03:25 AM

@Lameth

Juhu! Auf die Vorstellung freue ich mich richtig - und ja natürlich habe ich sie Alle zuende gelesen! Ich finde Sapkowski als Autor großartig (vorallem wenn Geralt mal wieder Rittersporn am Rockzipfel mitschleift) ;)

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